Weyarner Kulturpfad – Station 5:

Klosterhöfe

Wir verfolgen nun weiter den Weg Richtung Klosterkirche, verlassen das Areal an der Mündung in den Klosterweg, spazieren entlang der Klostermauer, vorbei an zwei langgezogenen, modernen Querbauten linker Hand („Prälaturhof 1 und 2“).

Nach rechts lohnt sich ein Blick in den nördlich gelegenen Klostergartenhof mit Arkadengang und dem einzeln stehenden „Sommerhaus“. Erbaut 1645, wurde es im 18. Jahrhundert unter Probst Rupert Sigl zu einem „Armaricum Philosophicum“ („Philosophische Rüstkammer“) umgebaut.

Ein Stück weiter bieten sich rechts durch Toröffnungen Blicke in den Konventhof. An der Kirche angelangt, befinden wir uns etwa im Zentrum der alten Klosteranlage.
Infolge der Schenkung der Burg „Viare“ (Weyarn) und anderer Güter durch Graf Siboto II. von Neuburg/Falkenstein an Konrad I., den Erzbischof von Salzburg, wird 1133 das Weyarner Kloster der Augustiner Chorherren gegründet.
Bis zur Säkularisation 1803 und danach hatte das Kloster eine wechselvolle Geschichte. Die Auflösung des Klosters und bauliche Eingriffe im 19. Jahrhundert haben Weyarns Klosteranlage stark verändert. So ist es heute nicht ganz  einfach, klösterliche Bauten als solche zu erkennen. Leichter nachvollziehen lässt sich dagegen die 5-Höfigkeit der Anlage:
Der Konventhof ist eingerahmt vom westlichen und vom östlichen Konventstock, von der Klosterkirche im Süden und vom 1806 abgerissenen Refektorium (Speisesaal) im Norden. Der Konvent ist der Trakt eines Klosters, in welchem die Klosterangehörigen zusammenleben, wohnen und arbeiten. Die Pröbste lebten vermutlich im (ebenfalls abgerissenen) Prälatenstock an der Nordseite des Prälaturhofs. Dort befanden sich laut Chronik (Band III A, S.41) „der große Saal, das Fürstenzimmer, das Tafelzimmer, das blaue Zimmer, das Bibliothekszimmer, ein Wohnzimmer und ein Schlafzimmer mit Altar“.

Seit Ende des 19. Jahrhunderts beherbergten die ehemaligen Konventgebäude

  • ein Heim für Waisenkinder,
  • eine Ausbildungsstätte für Führer der „Hitler-Jugend“,
  • ein Lazarett,
  • ein Lager des UN-Flüchtlingshilfswerks für „Displaced Persons“
  • sowie 1953-84 eine Privatschule.

1998 erwarb der Deutsche Orden den Großteil der ehemaligen Klostergebäude und übernahm 1999 auch die Pfarrei Weyarn.

Weyarner Klosterhöfe

Westlicher Konventstock 1803-2020

1803 Säkularisation

1805 Der ehemalige Klosterschmied Georg Braun erwirbt das Gebäude.

1806 Acht abgesetzte ehemaligen Chorherrn kaufen das Gebäude als Wohnung.

1832 Nach dem Tod des letzten Chorherrn kommt das Gebäude an den Bischof von Freising.

1844 erwirbt der Wirt von Weyarn, Lorenz Kirchberger, den Gebäudetrakt, lässt ihn aber zunächst leer stehen.

1863 Josef Sedlmayr kauft die Wirtstaverne und erwirbt damit auch das ehemalige Konventgebäude.

1877 erwirbt Dr. Friedrich Usterich diesen Bau und errichtet dort eine Privatlehranstalt mit dem Namen ,,Lehr- und Erziehungsanstalt Weyarn“.

1885 wird diese Anstalt in ein Realschulinstitut umgewandelt.

1898 geht das Gebäude durch Zwangsverkauf an die Stadt München, die das gesamte Gebäude umbauen lässt, um daraus eine Erziehungsanstalt mit Garten und Spielplatz für Waisenkinder zu schaffen.

1900 wird diese Anstalt eröffnet.

1905 wird an den Bau nördlich anschließend der Schulhaus-Erweiterungsbau angefügt

1933 übernimmt die NSDAP das Gebäude und errichtet darin eine Gebietsführerschule für die Hitlerjugend.

1939 wird ein Wehrertüchtigungslager für Soldaten der Wehrmacht eingerichtet.

1945 wird ein Lazarett eingerichtet.

1946 wird ein Lager für versprengte Personen (Displayed Persons) des Flüchtlingshilfswerkes  IRO eingerichtet.

1949-1953 steht das Gebäude leer.

1953 kaufte das Lehrerehepaar Max Rill und Gustl Rill, geb. Marmein das Gebäude mit den dazugehörigen Nebengebäuden wie Arkadengang und Mehrerhaus/Sommerhaus. Platz fand dort die Unter- und Mittelstufe eines bereits 1936 in Ambach am Starnberger See gegründeten Landerziehungsheims für Mädchen, das seit 1938 im Schloss Reichersbeuern untergebracht war.

1957 wurde dazu noch das den Hofraum im Osten begrenzende Gebäude „zum Posthalter“, der ehemalige östliche Konventstock, erworben. Nach dem Tod von Max Rill im Jahr 1963 übernahm ein Trägerverein Schule und Internat mit den Standorten Reichersbeuern und Weyarn. 1968 trennten sich Siegfried und Helene Mehrer, geb. Rill vom Trägerverein und gründeten in den Weyarner Gebäuden ein eigenes Schullandheim mit privatem Gymnasium und Internat.

1983 wurde der Schul- und Internatsbetrieb eingestellt. In der Folge wurde der  Gebäudekomplex an verschiedene Mieter als Wohnungen sowie für gewerbliche Zwecke vermietet.

1998 wurde der Gebäudekomplex an den Deutschen Orden verkauft, der im westlichen Konventstock Büroräume für die umfangreiche Verwaltung der Ordenswerke (ca. 70 Einrichtungen) einrichtete.
Im östlichen Konventstock finden sich Räumlichkeiten für die Patres, das Pfarrbüro und Wohnraum für nigerianische Schwestern des Ordens (Küche, Haushalt).
Küche und Refektorium befinden sich nunmehr im Südtrakt des westlichen Konventstocks, der wohl um 1675 errichtet wurde und relativ gut erhalten ist (Kreuzgangtrakt mit Gewölbegang im Erdgeschoß; 1. Stock: Decke mit Stuckeinfassungen, eventuell Malereien, nicht freigelegt.

Östlicher Konventstock, ehemalige Klosterbrauerei 1803 – 2020

1803 Nach der Säkularisation erwirbt der Landschaftskanzler von Mayerhofen, Besitzer von Schloss Niederfels bei Marquartstein, dieses Gebäude zusammen mit dem Prälatenstock, der Klosterbrauerei und einem Anbau.

1804 verkauft der Kanzler den ganzen Komplex an Graf Tattenbach von Valley. Der lässt den Prälatenstock und den Anbau abbrechen und verkaufte diesen nördlichen Teil des östlichen Konventstockes und die Klosterbrauerei noch im selben Jahr weiter an Jakob Hollfeld, den Bauernbräu von Holzkirchen.

1805 Der Haindlwirt von Miesbach, Andreas Leutner, kauft den südlichen Teil dieses Konventstockes, die so genannte Bibliothek.

1857 Schneidermeister Sebastian Schropp erwirbt dieses Gebäude und nutzt die dazugehörende ehemalige Klosterbrauerei als Stall für seine Landwirtschaft. So wird das Anwesen „Beim Schropp“ genannt.

1882 Der Nachfolger, Schroppbauer Sebastian Vollmer, siedelt um. Dabei wird auch der Hausname dorthin übertragen.

1882 kommt das Gebäude und die als Stall genützte ehemalige Klosterbrauerei an Rossmetzgerssohn Sebastian Schwaiger. Dieser erweitert das Gebäude durch einen Anbau nach Norden und richtete in dem vergrößerten Bau ein Bräuwirtshaus ein.

1899 übernimmt der Schwiegersohn von Sebastian Schwaiger, der Wirt Georg Estendorfer, die Gastwirtschaft und richtet aufgrund eines Vertrages mit dem königlichen Oberpostamt zusätzlich eine Postagentur ein. Daraufhin wird das Anwesen „Beim Posthalter“ genannt. Estendorfer ist 23 Jahre lang Bürgermeister der Gemeinde Wattersdorf (Weyarn)

Um 1905 wird das Postbüro in den nördlichen Brauerei-Anbau verlegt.

1938 übernimmt Martin Schlickenrieder das Posthalteranwesen („Posthaus“) bzw. den östlichen Konvent und die Landwirtschaft im ehemaligen Brauereigebäude

1955 wird der Betrieb der Gastwirtschaft eingestellt.

1957 erwirbt Max Rill, der Besitzer des Landerziehungsheims Reichersbeuern mit Unter- und Mittelstufe Weyarn, das so genannte “Posthaus“ (östlicher Konventstock) – zusätzlich zum bereits erworbenen ehemaligen westlichen Konventstock. Die Leitung des Landerziehungsheims in Weyarn übernehmen Helene Mehrer, geb. Rill und Siegfried Mehrer.

1983 Schul- und Internatsbetrieb werden eingestellt; die Konventgebäude werden vermietet

1998 Der Deutsche Orden kauft die Gebäude des ehemaligen Konvents.